M E I N E B E S T E F R E U N D I N

 

Aromatisierter Tee mit Zimt,

hat uns damals oft eingestimmt;

bei Kerzenlicht und Räucherkerzen

gab es nicht nur Lachen und Scherzen.

 

Wir haben zusammen Pralinen gemacht,

Geburtstag gefeiert, musiziert, gelacht,

Meine Erinnerung ans Ferienlager möchte ich nicht missen,

die Schlachten mit Rasierschaum und mit Kissen.

Fahrten nach Brügge, zum Segeln ans Meer -

mein Gott, wie lange ist das schon her.

 

Geheimnisse waren stets gut aufgehoben,

Gespräche darüber wurden selten verschoben.

Wir haben uns ohne Worte verstanden,

gleiche Interessen, die uns verbanden.

Wir konnten uns alles anvertrauen,

auf absolute Verschwiegenheit bauen.

Wir hatten die gleiche Wellenlänge,

das erklärt, finde ich, eine ganze Menge.

Was waren das für schöne Zeiten.

 

Doch das ist vorbei, nur mit Schwierigkeiten,

erinnere ich mich an diese Jahre -

weil ich nichts mehr von dir erfahre.

Und wenn, dann schreibst du solch komische Sachen:

„Nächste Woche werde ich einen Anruf machen!“

Dein Reden und Handeln stimmen nicht überein,

kredenze mir endlich reinen Wein.

Du zeigst nur noch wenig Interesse,

an mir, wie ich lebe, trinke, esse,

was ich denke, fühle, mache,

warum ich nachts recht häufig wache.

Es scheint dir genug, dass ich alle zwei Jahre

von dir und deinem Leben etwas erfahre!

 

Natürlich habe ich nicht immer Zeit,

bin nicht jederzeit dazu bereit,

mir anderer Leuts Probleme anzuhören,

weil sie mich in meinen Gedanken stören.

  

Also: auch ich habe einen Anteil dabei!

Denn: zu jeder Freundschaft gehören zwei!

Auch ich habe mich zurückgehalten,

dachte, du kannst dich dann besser entfalten.

Dachte, wenn du Probleme hast,

wirst du dich melden, wenn es dir passt.


Inzwischen habe ich festgestellt,

so funktioniert sie nicht, die Welt!

Selbst meine Welt nicht, selbst mein Leben

arbeitet so nicht, hat sich ergeben.

 
Denn ich musste jetzt erfahren:

die einzigen, die echten, wahren,

Freunde sind die, die in ihrem Bestreben

nach Nähe eindringen in mein Leben!

Die mich bestürmen mit wichtigen Fragen,

die mir ihre Wahrheiten sagen,

und die sich an meiner Antwort nicht stoßen.

Das ist Freundschaft im Ganzen und Großen!

 

Außerdem, so muss ich gesteh’n,

solltet ihr, wenn es mir genehm,

mich auch einmal in Ruhe lassen –

doch wie könnt ihr das Wann und Wie erfassen?

 

Ich muss meine Enttäuschung überwinden,

zu einem Leben ohne ‚beste Freundin’ finden.

Denn das ‚Beste’ ist schon lange gestrichen,

und egal, wie sehr wir daran wischen,

es wird nie wieder dort erscheinen,

weder in großen Buchstaben noch in kleinen.

 
 

p.s. Vielleicht ist gerade jetzt die Zeit

            für einen Neubeginn bereit?

 

 

©Sabine van de Sand, 2015-10-16 (3.9.2015)