HANDTASCHENINVENTUR

 

Ich fragte mich mein halbes Leben:

Was mag eine Inventur ergeben?

Diese Tasche, prall und schwer -

barg sie Geheimnisse? War sie leer?    

 

Was schleppt Frau in solchen Taschen?

Heute ließen wir uns überraschen –

sahen uns den Inhalt an,

fühlten Mutter auf den Zahn.

 

Man kann ihn in Gruppen teilen:

Kosmetik wie Tücher und Feilen,

Cremes und Kamm, Parfüm und Pflaster

Lippenstift und Streichholz passen in dies Raster.

 

Eine Vortasche präsentiert Süßigkeiten,

die beizeiten

gute Stimme und Stimmung verbreiten:

Salmiakpastillen und Pfefferminz in der Dose,

Bonbons im Karton und Fisherman’s lose.

 

Hinter einfachem Verschluss:

Heikes Adresse, ein vergessener Gruß,

Terminkalender und Adressen,

Kuli und Taschenlampe nicht zu vergessen

 

Unter doppeltem Verschluss,

lagert alles, was wichtig sein muss:

Impfpass, Ausweis, Notfalladresse,

Handy, Brille, und bevor ich es vergesse:

zwölf Münzen im Portemonnaie, dem fetten

ergaben zwei Euro vierundfünfzig. Dann folgten Wetten

auf das Gewicht: „Wieviel ich trage?“

Unschuldig lagen dort auf der Wage,

gut 1,5 Kilogramm, schreibe und sage.

 

Doch das Lustigste: kopflos und rot wie Feuer

dabei war er nicht einmal teuer

ist der Filzengel in ihrer Hand.

Und am Ring am Riemenband

hängt, flach und rot und rund

der Kopf

Dazu gibt es die passende Geschichte,

von der ich ein andermal berichte.

  

©Sabine van de Sand, 2016-02-19