Ghuagán Barra


Lough Ghuagán Barra

    Eine Insel im See, darauf eine Zelle.

    Hier suchte einst Finbarr nach der Quelle

    der Weisheit, Erleuchtung und Gottes Rat –

    er war ein Heiliger in Wort und Tat.

Herausgerückt aus Ort und Zeit,

in des Waldes Einsamkeit,

hatte er trotz der abweisenden Hänge

und reißenden Wasser stets Lobgesänge,

trotz Widrigkeiten und schroffen Klippen

stets ein Gebet an Gott auf den Lippen.


Dieser Ort war sein Zuhause.

Heute bevölkern Touristen die Klause,

laufen lärmend in der Kirche umher -

ist eben ein Freizeitvergnügen mehr!

 

Bevor nur einer von diesen erwacht,

haben wir uns schon auf die Socken gemacht.

Die Sicht lässt einige Wünsche offen.

Wir gehen weiter und wir hoffen…

 

Im moorigen Matsch versinken die Schuhe,

ich höre den Wind in gespenstischer Ruhe.

Wir halten kurz, um uns zu stärken.

Dann umrunden wir, ohne es zu merken,

Loch Ghuagán Barra, denn der Nebel,

sitzt nun einmal am längeren Hebel.

Enttäuschend! Kein bisschen Aussicht in Sicht,

nur diffuses, grauweißes Wolkenlicht.

 

Wir stapfen durch saftig-torfige Heide,

der Anblick der Gräser ist wie Seide,

grünsilbern und von dem Wind bewegt,

der um Felsen und übers Wasser fegt.

 

Denn es gibt herrlich viele, kleine Seen,

an denen wir achtsam vorübergehen.

Wir halten die Richtung mit Kompass und Karten,

begleitet von Wolken, flauschigen, zarten.

 Lough Ghuagan Barra im Nebel

Schade, ich hätte gerne den Weg gesehen,

den wir um den See herum gehen,

hätte so gerne den Blick genossen,

und ein paar freundliche Bilder geschossen,

von See und Insel im Sonnenlicht -

doch diesmal klappte das leider nicht.

 

Und deshalb werde ich wohl wiederkehren,

und bis dahin von meinen Erinnerungen zehren.

 

©Sabine van de Sand, 2015-08-09